Tag der Reinigung

  1. Verrücktes Leben
  2. Leben in Aufruhr
  3. Das Leben außer Balance
  4. Lebendigkeit im Zerfall
  5. Ein Zustand des Lebens, der nach einer anderen Art des Daseins ruft

Wenn wir wertvolle Dinge aus dem Boden graben, laden wir das Unglück ein.
Wenn der Tag der Reinigung nah ist, werden Spinnweben hin und her über den Himmel gezogen.
Ein Behälter voller Asche wird eines Tages vom Himmel fallen, der das Land verbrennt und die Ozeane verkocht.


Aus dem englischen Original:

  1. Crazy life
  2. Life in tumpil
  3. Life out of balance
  4. Life disintegrating
  5. A state of life that calls for another way of living

If we dig precious things from the land, we will invite disaster.#
Near the day of Purification, there will be cobwebs spun back and forth in the sky.
A container of ashes might one day be thrown from sky, which could burn the land and boil the oceans.

Prohezeiung der Hopi Indianer
aus dem Film Koyaanisqatsi von 1982

Ihr mächtigen Herren

Ihr mächtigen Herren der Welt
Ihr macht nur, was EUCH gefällt,
helft niemand zu sein‘n Rechten,
ihr könnt nur knechten, knechten.
am Ende wollt ihr uns schächten
wer könnte für uns fechten?

Ihr mächtigen Herren der Welt,
Ihr wollt nur UNSER Geld.
Ihr nennt euch Meister des Lichts,
doch Menschlichkeit kennt ihr nicht.
Macht tausende von Gesetzen
und wir sollen hetzen, hetzen.

Ihr mächtigen Herren der Welt.
Ihr macht nur, was EUCH gefällt.
Ihr denkt, wir sind alle verschlafen,
Ihr wollt uns halten als Sklaven.
Ihr wollt nicht mit uns teilen.
Wir sollen darob leiden.

Ihr mächtigen Herren der Welt
ihr wollt nur UNSER Geld.
Wir rackern Tage und Stunden.
Wie soll man da gesunden?
Wir werden immer kränker
Doch IHR seid hier die Stänker.

Ihr mächtigen Herren der Welt,
ihr macht nur, was EUCH gefällt.
Ihr seid die Menschenhasser!
Vergiftet Luft, Boden und Wasser.
Warum verlangt‘s euch zu hassen?
Könnt ihr das nicht einfach lassen!?

Ihr mächtigen Herren der Welt.
Ihr wollt immer nur unser GELD.
Ihr tischt uns auf lauter Lügen.
Wir sollen uns drein fügen.
Aus Lügen macht ihr Wahrheit.
Verschleiert ist die Klarheit.

Ihr mächtigen Herren der Welt.
Ihr wollt nur unser GELD.
Wir sollen alles geben,
sogar noch unsere Leben.
Die Ärmsten sollen spenden.
Organe aus ihren Lenden.

Ihr mächtigen Herren der Welt.
Macht immer nur, was EUCH gefällt.
Ihr spaltet in Religionen
und metzelt dann Legionen.
Wir sind doch Brüder und Schwestern!
Wer anders denkt, ist von gestern.

Ihr mächtigen Herren der Welt.
Macht nur, was EUCH gefällt.
Ihr könnt nur gegen uns hetzen.
Wir sollen uns zerfetzen.
Ihr wollt uns ständig verführen,
bis wir nichts mehr spüren.

Ihr mächtigen Herren der Welt.
Macht nur, was EUCH gefällt.
Ihr zerstört Kulturen.
Vergnügt euch derweil mit Huren.
Schändet die armen Kinder,
macht krank auch noch die Rinder.

Ihr mächtigen Herren der Welt.
Ihr wollt nur UNSER Geld.
Schaut euch an die Gesichter!
Die Minen sind düster und finster.
Wie könnt Ihr dabei euch freuen,
mit KOKS euch spaßig zerstreuen?

Ihr mächtigen Herren der Welt,
macht nur, was EUCH gefällt.
Aus allem macht IHR Profite.
Das nennt sich die Elite!
Seid ihr denn etwa besser?
Die Menschen nur nutzlose Esser?

Ihr mächtigen Herren der Welt,
Ihr macht nur, was EUCH gefällt.
Ihr wollt kontrolliern unsre Hirne,
glaubt ihr, wir sind alle nur „BIRNE“?
Ihr wollt uns zwisten und
spalten mit Polizei uns verwalten!

Ihr mächtigen Herren der Welt,
Ihr wollt nur unser GELD!
Was seid IHR nur für Schweine?
Wir machen EUCH jetzt Beine!
Mit uns ist nicht mehr zu spaßen!
Ruft’s laut in allen Gassen!

Ihr mächtigen Herren der Welt,
Ihr wollt nur unser Geld.
Wir kennen nun EURE Spiele
Wir haben andere ZIELE !
Ihr mächtigen Herren des „Lichts“.
Wir glauben EUCH alles nichts!

Ihr mächtigen Herren der Welt
ihr macht, was EUCH gefällt.
Wir werden EUERN Stolz zerstören.
Das werden wir EUCH schwören.
Schluss ist’s mit der Arroganz,
Begonnen hat EUER Totentanz.

Ihr mächtigen Herren der Welt
für EUCH zählt nur Macht, Gier und Geld.
Doch wir sind die wahren Herren der Welt,
wir können auch leben ohne Geld!
Wir sind die wahren Herren des Lichts,
denn Lieben, das könnt ihr wohl nicht!

Ihr mächtigen Herren der Welt,
ihr macht nur, was EUCH gefällt.
Ihr meint Ihr hättet Verstand?
Am Ende seid IHR gerannt vor die Wand.
Satan verehrt IHR als HERRN der Welt,
Satan ist’s, der am Ende fällt!

Ihr mächtigen Herren der Welt,
ihr habt aber weit gefehlt!
Wir haben eure Spielchen erkannt,
die Erde ist leider schon fast verbrannt.
Schluss ist mit dem Luxus frönen,
WIR werden nicht mehr löhnen!

Ihr mächtigen Herren der Welt,
was wollt ihr mit UNSEREM Geld?
Ihr wolltet uns verwirren,
doch IHR seid die armen Irren!
Ihr könnt uns nicht mehr trennen,
IHR werdet am Ende rennen!

Ihr mächtigen Herren der Welt,
wir brauchen nicht euer Geld.
Wir brauchen nicht eure Tempel.
Gott statuiert ein Exempel
Er wird es der Welt nun zeigen,
Wer sich IHM wird beugen.

Ihr mächtigen Herren der Welt,
wir tun jetzt, was uns gefällt!
Ihr tatet die Wahrheit verdrehen,
Mutter Erde liegt in den Wehen,
eine neue Welt zu gebären,
das Wissen wird sich bewähren!

Ihr mächtigen Herren der Welt,
nichts wert ist EUER Geld!
Wir machen ein Ende den Kriegen,
die Liebe wird endlich siegen.
Hört auf mit EUREN Geschichten,
GOTT wird EUCH wohl richten!

Ihr mächtigen Herren der Welt,
wir tun jetzt, was Gott gefällt!
Ahriman ist euer Vater,
Ihr steht jetzt am Abgrund des Kraters
der aufbäumenden Vulkanen,
Ihr hättet’s sollen ahnen!

Ihr mächtigen Herren der Welt,
zu End ist’s mit eurem Geld!
Die Menschen sind nun erwacht,
das FEGE-Feuer ist entfacht,
die Fackeln der Liebe brennen,
IHR könnt um Gnade rennen!

Ihr mächtigen Herren der Welt,
Gott tut jetzt, was IHM gefällt!
Ihr glaubtet, Ihr wäret das Licht!?
Gott, das Gute besiegt IHR nicht!
Was soll daraus nun werden?
Frieden auf Erden !

Johannarix Annetterix aus dem Hause Frühauf am 13.07.2011

Der Rabe

Als um Mitternacht ermüdet ich das düstre Haus gehütet über manchem Buch voll Weisheit, alter, fast vergess’ner Lehr, Als ich schon mehr schlief als wachte, war mir, eh’ ich’s noch bedachte, So, als klopfte jemand sachte, sachte an die Zimmertür. “Irgend ein Besucher”, murrt ich, “klopft an meine Zimmertür,
Das wird’s sein, nichts weiter mehr.”

Ach, im Flammenschein der roten Kohlen tanzten Unglücksboten Aus dem kalten Land der Toten, im Dezember, öd und leer. Und wie ungeduldig sehnte ich mich nach dem Tag, als fände Mit ihm meine Qual ein Ende um Lenor, die weit von hier, Um Lenor, das Mädchen, das nun Engel preisen, weit von hier.
Ungenannter Name hier nunmehr.

Schreckensbilder ließ mich sehen eines Purpurvorhangs Wehen, Es umhüllte und erfüllte mich mit Furcht wie keiner je vorher. Und um meines Herzens Schläge abzuschwächen, sprach ich träge: “Nur ein Fremder, der vom Wege abkam, steht an meiner Tür, Nur ein später Gast sucht dringend Einlaß hier an meiner Tür.
Das ist alles, sonst nichts mehr.”

Und sogleich verging mein Zagen, und ich hört’ mich plötzlich sagen: “Wer’s auch sei, Herr oder Dame, um Vergebung bitt’ ich sehr, Denn Ihr Klopfen war so sachte, daß ich kaum davon erwachte Und an alles andre dachte als daran, daß an die Tür Ein Besucher klopfen könnte. Und ich öffnete die Tür: Dunkel dort, nichts weiter mehr.

Und in dieses Dunkel spähend, stand ich, angstvoll um mich sehend, Zweifelnd, Träume träumend, wie sie noch kein Mensch geträumt bisher. Ungebrochen war das Schweigen, und die Stille gab kein Zeichen, Nur ein Wort ließ mich erbleichen, das geflüstert drang zu mir, Dieses Wort Lenorì, das selber ich gesprochen, raunte mir
Jetzt ein Echo zu, nichts mehr.

Als ich mich ins Zimmer wandte und in mir die Seele brannte, Hörte ich erneut das Pochen, etwas lauter als vorher. “Sicher, sagt ich qualbeladen, etwas mit dem Fensterladen, Will doch seh’n, ob ohne Schaden das Geheimnis ich mir klär’, Schweig, mein Herz, daß ohne Schaden das Geheimnis ich mir klär'”
‘s ist der Wind, nichts weiter mehr.”

Auf warf ich den Fensterladen; flatternd und mit Flügelschlagen Trat ein Rabe ein, als ob er aus den Tagen Noahs wär. Und nicht einen Diener macht’ er, nicht an eine Pause dacht’ er, Stolz setzt’ er sich wie ein Pachtherr über meine Zimmertür. Setzt’ sich auf die Pallas-Büste über meiner Zimmertür. Saß dort und nichts weiter mehr.

Doch das schwarze Tier verführte, weil es sich so eitel zierte, Meine Kümmernis zum Lächeln, und ich sagte ungefähr: “Ist dein Helmbusch auch geschoren, scheinst du doch als Held geboren, Von der Düsternis erkoren, flogst Du weit vom Nachtland her, Sag, welch ist dein edler Name von des Pluto Nachtland her?”
Sprach der Rabe: “Nimmermehr.”

Und mein Staunen war unendlich, denn das Tier, es sprach verständlich, Schien die Antwort auch ein wenig dunkel und etwas verquer; Denn wir müssen eingestehen, daß kein Lebender gesehen Je solchen Vogel spähen oben von der Zimmertür, Einen Vogel von der Büste über seiner Zimmertür, Der sich nannte “Nimmermehr”.

Doch der Rabe, wie erhoben auf der Büste sitzend oben, Sprach aus tiefster Seele dieses eine Wort bedeutungsschwer. Und kein andres gab er von sich, seine Federn unbeweglich, Da, kaum hörbar, sprach ich kläglich: “Gleich den andern wird auch er Mich verlassen, so wie meine Hoffnung schwindet, geht auch er.”
Sprach der Rabe: “Nimmermehr.”

Als das Schweigen war gebrochen, weil so trefflich er gesprochen, Sagte ich zu mir erschrocken: “Zweifellos, dies Wort ist der Letzte Rest, der ihm geblieben von dem Herrn, der’s einzuüben Niemals müde ward, getrieben von des Unglücks Wiederkehr, Der all seine Grabgesänge schloß in steter Wiederkehr Mit dem “Niemals-Nimmermehr”.

Doch der Vogel führte weiter aus der Trauer mich, fast heiter Rollte ich mir einen Sessel stracks zur Tür, dorthin, wo er Hockte, und ich ließ mich nieder und vertraut mich dem Gebieter Phantasie an, um darüber nachzudenken, was das Tier, Was das schwarze ungeschickte, uralt-ominöse Tier
Wohl gemeint mit “Nimmermehr”.

Dieses zu erraten saß ich, doch mit keiner Silbe maß ich Diesen Vogel, dessen Augen mich durchdrangen wie ein Speer; Dies und mehr noch wollt’ ich wissen, dabei lehnt’ ich mich auf’s Kissen, Dessen Samt im ungewissen Schein der Lampe glänzte schwer, Aber, ach, den violetten Samt im Schein der Lampe schwer
Wird sie drücken nimmermehr!

Dann, so schien es mir, als schwenkte jemand Weihrauch, dabei lenkte Klingelnd ein Seraph die Schritte durch das Zimmer kreuz und quer. “Ärmster”, rief ich, “dein Gott sendet einen Engel dir und spendet Linderung, und er beendet um Lenor die Qualen schwer, Trink dies gütige Nephentes und vergiß die Qualen schwer!”
Sprach der Rabe: “Nimmermehr.”

Und ich sprach: “Prophet des Teufels, Kreatur des bösen Zweifels, Ob ein Sturm dich hierher sandte oder dich der Luzifer Hier in diesem Haus voll Schrecken hat geheißen, mich zu wecken, Um sein Urteil zu vollstrecken – ich beschwör dich, sag es mir, Wird man mich in Gilead trösten, ich beschwr dich, sag es mir!”
Sprach der Rabe: “Nimmermehr.”

“Ob du Vogel oder Teufel”, sagte ich, “nimm mir die Zweifel, Bei dem Himmel, der sich über uns erhebt, bei Gottes Ehr’, Sag der Seele, ob zu Eden sie dereinst noch wird genesen, Wenn ich küß’ das keusche Wesen, ob Lenor mir wiederkehr – Daß das wunderbare Wesen, daß Lenor mir wiederkehr!” Sprach der Rabe: “Nimmermehr.”

“Vogel, Teufel!”, schrie ich bleichen Angesichts, “dies Wort als Zeichen Unsrer Trennung! Scher dich wieder in die Nacht, flieh übers Meer! Laß als Lügenzeugnis keine Feder hier! Stör mir nicht meine Einsamkeit! Und nie erscheine wieder über meiner Tür!” Aus dem Herz mir nimm den Schnabel und entfern’ dich von der Tür!”
Sprach der Rabe: “Nimmermehr.”

Und der Rabe, unbeweglich, sitzt noch täglich, sitzt alltäglich Auf der bleichen Pallas-Büste über meiner Zimmertür; Und in seinen Augen wohnen alle Träume von Dämonen, Seinen Schatten wie geronnen wirft die Lampe schwarz und schwer Auf den Boden; doch erheben wird sich aus dem Schatten schwer
Meine Seele nimmermehr.

1845 – Edgar Allan Poe (1809-1849) übersetzt von Manfred Uhlig und Ole Törner

Das letzte Kapitel – Erich Kästner

 

Am zwölften Juli des Jahres 2003
lief folgender Funkspruch rund um die Erde:
daß ein Bombengeschwader der Luftpolizei
die gesamte Menschheit ausrotten werde.

Die Weltregierung, so wurde erklärt, stelle fest,
daß der Plan, endgültig Frieden zu stiften,
sich gar nicht anders verwirklichen läßt,
als alle Beteiligten zu vergiften.

Zu fliehen, wurde erklärt, habe keinen Zweck,
Nicht eine Seele dürfe am Leben bleiben.
Das neue Giftgas krieche in jedes Versteck,
man habe nicht einmal nötig, sich selbst zu entleiben.

Am 13. Juli flogen von Boston eintausend
mit Gas und Bazillen beladene Flugzeuge fort
und vollbrachten, rund um den Globus sausend,
den von der Weltregierung befohlenen Mord.

Die Menschen krochen winselnd unter die Betten.
Sie stürzten in ihre Keller und in den Wald.
Das Gift hing gelb wie Wolken über den Städten.
Millionen Leichen lagen auf dem Asphalt.

SAM_7540

Jeder dachte, er könne dem Tod entgehen,
keiner entging dem Tod und die Welt wurde leer.
Das Gift war überall, es schlich wie auf Zehen.
Es lief die Wüsten entlang, und es schwamm übers Meer.

Die Menschen lagen gebündelt wie faulende Garben.
Andere hingen wie Puppen zum Fenster heraus.
Die Tiere im Zoo schrien schrecklich, bevor sie starben.
Und langsam löschten die großen Hochöfen aus.

Dampfer schwankten im Meer, beladen mit Toten.
Und weder Weinen noch Lachen war mehr auf der Welt.
Die Flugzeuge irrten mit tausend toten Piloten,
unter dem Himmel und sanken brennend ins Feld.

Jetzt hatte die Menschheit endlich erreicht, was sie wollte.
Zwar war die Methode nicht ausgesprochen human.
Die Erde war aber endlich still und zufrieden und rollte
völlig beruhigt ihre bekannte elliptische Bahn.

Erich Kästner, 1930

Ausweg